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Sich stilvoll geben

Sich geben wie eine Dame heißt heute nichts anderes als rücksichtsvoll, einfühlsam und liebenswürdig, dennoch souverän und sicher agieren und reagieren, kurzum: Stil zeigen.

Sich stilvoll geben ist für Frauen wichtiger denn je, da es keinen verbindlichen Verhaltenskodex mehr gibt, die Maßstäbe des Verhaltens für Frauen und gegenüber Frauen „im Fluss sind". Von festen Regeln und Normen, wie sie früher üblich, teilweise auch hilfreich waren, ist im Alltag des ausgehenden 20. Jahrhunderts kaum mehr etwas zu spüren, es sei denn als Wunschprojektion in den Köpfen konservativer Männer.

In Aufweichung begriffene Restnormen finden sich noch in offiziell-formalen Situationen, zum Beispiel bei Empfängen, Banketts uws. Subjektiv werden sie jedoch häufig bereits als künstlich, als von einer Art Glashausatmosphäre getragen, empfunden. Traditionelle Normen und Verhaltensmuster gegenüber Frauen werden hier noch weitgehend problemlos von Frauen toleriert, weil die Situation per se als mehr oder weniger künstlich eingestuft wird. Vorbei sind jedenfalls die Zeiten, als die Etikette für Frauen noch ausschließlich von Männern gemacht wurde, als jede Einzelheit bis hin zu den für ein weibliches Wesen schicklichen Gesprächsthemen noch bis ins Detail geregelt war.

 

Zur Illustration und zum Schmunzeln ein kurzer Auszug aus dem altrussischen Hausbuch „Domostroj", das die Gepflogenheiten einer patriarchalisch bestimmten Gesellschaft widerspiegelt, dennoch manch kluge Lebensweisheit enthält:

„Täglich soll die Frau den Mann in allem fragen und sich Rat holen, wie sie zu Besuch gehen, wie sie Besucherinnen zu sich einladen und worüber sie mit ihnen sprechen soll.

Täglich soll die Frau den Mann in allen häuslichen Dingen fragen und sich Rat holen und bedenken, was nötig ist. Sie soll besuchen und zu sich laden, mit wem Umgang zu pflegen ihr Mann gebietet. Wenn Gäste kommen oder sie selbst irgendwo zu Tisch geladen ist, ziehe sie ihr bestes Kleid an. Sie hüte sich vor berauschenden Getränken. Ein trunkener Mann ist ein Übel, eine betrunkene Frau aber ist ganz und gar untauglich. Mit Besucherinnen plaudere sie über Handarbeiten und darüber, wie man das Hauswesen führt und diese oder jene Arbeit verrichtet. <...>

Sie treibe keinen Spott und spreche über niemanden, und wenn man sie nach jemandem fragt oder gar auszuforschen beginnt, so soll sie antworten: „Ich weiß davon nichts, habe nichts gehört oder erfahren, und selbst frage ich nicht unnütz und rede weder über Fürstinnen oder Bojarinnen noch über die Nachbarn."

Frauen, die in der Vergangenheit aus der von den Männern diktierten Etikette ausbrachen, waren skandalumwittert, zum Teil berühmt und Außenseite­rinnen, wie George Sand, oder gar Gegenstand von Dramen.         

Wie groß sind die Möglichkeiten und Freiheiten der Frau von heute, betrachtet man ihr Verhalten auf dem Hintergrund der starren Regeln der Vergangenheit, die kräftig bis in unser Jahrhundert hineinwirken. Es war die zunehmen­de Berufstätigkeit der Frau, die den stereotypen Ton zwischen den Geschlechtern, wie er noch in den behüteten Salons unserer Großmütter üblich war, brach und dem natürlichen Umgang miteinander – manchmal auch gegeneinander - den Weg bereitete.                                      

„Natürlicher Umgang miteinander“ meint keineswegs, dass erlaubt ist, was gefällt. Das ginge zu weit. Erlaubt ist, was nicht brüskiert, was den anderen - egal ob Mann oder Frau - nicht in seinen Empfindungen verletzt. Erlaubt ist, was der jeweiligen Situation angemessen, was stilvoll ist. Nicht mehr das unreflektierte Befolgen starrer Benimmregeln ist gefordert,  sondern es zählen statt dessen Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Gespür, unabhängig vom Geschlecht. Gleichförmiges stereotypes Verhalten ist out; individuelles, auf die spezifische Situation und den an ihr Beteiligten abgestimmtes Reagieren ist in.

Es gibt keinen Grund, weshalb ein Mann einer Kollegin oder Mitarbeiterin eine besondere Vorzugsbehandlung angedeihen lassen sollte - allein wegen des Geschlechts -, es sei denn er tut es aus Zuvorkommenheit und Hilfsbereit­schaft. Der traditionelle Höflichkeitskodex für Männer gegenüber Frauen hat somit im beruflichen Umfeld weitgehend seine Gültigkeit verloren.

Hierzu einige Beispiele:    

Traditioneller Kodex

Aktueller Kodex

(gültig für Männer gegenüber Frauen)

- einer Frau die Türe öffnen   

- einer Frau Lasten abnehmen und tragen

-    einer    Frau    etwas    Heruntergefallenes aufheben

(gültig für Männer und Frauen gleichermaßen)

- dem die Türe öffnen, der beladen ist oder es aufgrund seines Alters usw. schwerer hat

- dem helfen, für den eine Last zu schwer ist

-   jedem   zur   Hand   gehen,   dem   etwas heruntergefallen ist

Höflichkeit, Freundlichkeit, Rücksicht, Hilfsbereitschaft Diese vier Begriffe sollten die bestimmenden Faktoren für den Umgang miteinander ohne Ansehen des  Geschlechts sein, gleichermaßen für Männer und Frauen wie für Vorgesetzte und Untergebene. So wäre es beispielsweise eine besonders schöne Geste, wenn ein Vorstandsvorsitzender einem Boten
einen Stoß Briefe aufhöbe, der diesem beim Vorübergehen runtergefallen ist. Es sollte weder auf das Geschlecht noch auf den hierarchischen Rang ankommen, wichtiger wäre vielmehr, dass wir allgemein höflicher und rücksichtsvoller im Umgang miteinander werden. Begreifen wir doch die Umbruchsphase im Verhaltenskodex als Übergang zu einem neuen, gleichwertigen Miteinander, zu einem stilvollen Umgang untereinander, damit unser Leben angenehmer, leichter, unbeschwerter, urbaner werde.                                                                                             

Stilvolles Verhalten heißt bei allem wünschenswerten Streben nach Gleichwertigkeit im Beruf für Frauen aber auch, Männer, die sich noch eher an traditionellen Normen orientieren, nicht vor den Kopf zu stoßen. Akzeptieren Sie als Frau ganz einfach kleine Liebenswürdigkeiten, und bedanken Sie sich dafür. Lassen Sie sich jedoch nie etwas bezahlen, es sei denn, Sie sind ausdrücklich eingeladen. Ansonsten geben Sie den Männern, die unbedingt „ritterlich" sein wollen, ihre Chance. Tolerieren Sie ihre Gesten im Wissen darum, dass Männern im Beruf und im Privatleben häufig unterschiedliche Etiketteformen abverlangt werden und es für den einen oder anderen Mann gar nicht leicht ist, manchen Akt der Zuvorkommenheit dann plötzlich im Berufsleben abzustreifen. Dies betrifft Alltagssituationen wie zum Beispiel:

                    - aus dem und in den Mantel helfen                              
                    - aufstehen, wenn eine Dame an den Tisch kommt

                           - für sie im Restaurant das Essen bestellen

- ihr die Zigaretten anzünden                                                                                            - für sie das Taxi bestellen und ihr hineinhelfen                                                      - im Aufzug zurücktreten, um ihr den Vortritt zu lassen

All dies ist im Zuge der „neuen Kollegialität“ keineswegs mehr erforderlich, wird von der auf Souveränität und Selbständigkeit pochenden Frau nicht mehr erwartet, vielfach sogar als unangenehm empfunden. Aber auch hier gilt für das Verhalten: Oberstes Prinzip muss stets der tolerante, verständnis- und stilvolle Umgang miteinander sein.        

Sich stilvoll geben heißt für eine Frau also manch „ritterliche“ Geste gelassen hinnehmen, es heißt aber auch, sich nie mit Gewalt „männlich“ benehmen wollen. Männern wird  ein Glas zu viel eher verziehen als Frauen. Ähnliches gilt für Kraftausdrücke und zweideutige Reden. Sind sie nicht schon bei Männern abstoßend genug? Weshalb sollte eine Frau gerade damit ihre Gleichberechtigung unterstreichen wollen? 

Humor, die Fähigkeit auch einmal über sich selbst zu lachen, bringt da schon mehr Sympathie. Manch chevalereskem Ansinnen von Männern lässt sich durch eine humorvolle und geistreiche Bemerkung am leichtesten und zugleich charmantesten begegnen.                                                            

Ansprechend und gepflegt aussehen

Ein gepflegtes und ansprechendes Äußeres ist nicht nur ein muss für die Frau, es wirkt ebenso beim Mann. Nicht umsonst werden Kosmetika für Männer immer beliebter. Kleidung kann Ausstrahlung verleihen und sicheres Auftreten unterstützen. Im Gegensatz zu früher, wo die Kleiderordnung weitaus uniformer war - so trugen beispielsweise verheiratete Frauen im Mittelalter eine Haube -, gilt heute in westlichen Breiten als Leitsatz: Schön ist, was gefällt, was zum Alter und Typ passt. Es muss für erfolgreiche Frauen nicht immer das strenge Kostüm sein - der ins Weibliche veränderte Abklatsch des Herrenanzugs -, das signalisieren soll, dass die Frau ernst zu nehmen sei. Phantasie ist heute durchaus erlaubt. Es mag sein, dass das Äußere von Frauen immer noch wesentlich kritischer betrachtet wird als das von Männern, zu allererst ist Kleidung aber eine Frage der Persönlichkeit. Dezent, gepflegt, seriös und bequem, nach diesen Leitmaximen sollten Berufsfrauen wie -männer ihre Kleidung wählen. <...>

Für die Berufsfrau von heute sollte es kein Problem sein, allein in ein gutes Restaurant zu gehen oder an einer Hotelbar einen Drink einzunehmen. Dies wird allgemein akzeptiert. Überwinden Sie Ihre innere Scheu, nehmen Sie sich notfalls eine Zeitung oder ein Buch mit, falls Sie es als unangenehm empfinden, allein an einem Tisch zu sitzen.

Heute ist es auch durchaus erlaubt, einen Herren zu einem Essen einzuladen. Legen Sie Wert darauf, dass Sie, wenn Sie als Frau die Einladung ausgesprochen haben, auch die Rechnung bezahlen. Nehmen Sie es mit Humor, wenn der Kellner immer noch meint, es müsse der Herr sein, der den Wein kostet und die Rechnung bezahlt. Bestehen Sie aber darauf, es selbst
zu tun. Vielfach wird eine Frau, wenn sie direkt ans Telefon geht, von Frauen wie Männern immer noch für eine Vorzimmerdame gehalten. Männer werden automatisch als etwas Höherwertiges eingestuft, Frauen zu Zuarbeiterinnen degradiert. Auch hier hilft am besten humorvolles Reagieren. Machen Sie klar, dass zum einen auch eine Sekretärin eine adäquate Gesprächspartnerin sein kann, zum anderen, dass Sie mit einer weiblichen Stimme durchaus entscheidungsbefugt und Spitze sein können. Bei manchen offiziellen Anlässen ist die Frau als die eigentliche Funktionsträgerin und der Mann als die Begleitperson noch immer eine ungewohnte Ausfüllung von Rollen. In traditionellen Kreisen kann es da schon passieren, dass Ihr Ehemann mit Begleitung eingeladen wird, obwohl die Einladung eigentlich für Sie bestimmt ist. Sie sollten dies gelassen wegstecken, es dennoch dem Gastgeber gegenüber durchaus humorvoll pointiert - mit etwas liebenswürdiger Unverschämtheit - zur Sprache bringen. Ihr Ziel ist es, Bewusstsein für ein neues Rollenverständnis zu wecken.

Ärgern Sie sich nie, denken Sie lieber an Mark Twain, der die Frage gestellt hat: „Was wären die Männer ohne die Frauen?" Seine Antwort lautete: „Selten, äußerst selten."         


20.01.2016; 17:02
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